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Dr. Klaus Schierhackl unterwegs als Trucker

Dr. Klaus Schierhackl ist seit 2007 Vorstandsmitglied der ASFINAG. Der Top-Manager hat eine besondere Affinität zu Fahrzeugen aller Art. Am Liebsten ist er in seiner Freizeit mit seinem Sohn Niklas auf dem Traktor oder mit dem Lkw unterwegs. So holte er sich eine Ladung Zirbenholz einfach selbst von Radurschltal bei Pfunds zu sich in den Wienerwald. Dabei hatte er Gelegenheit den Fahreralltag auf den österreichischen Autobahnen unmittelbar zu erleben. Hier sein Bericht.

Dr. Klaus Schierhackl übernimmt den MAN TGS von Werner Fröschl
Dr. Klaus Schierhackl übernimmt den MAN TGS von Werner Fröschl
Dr. Klaus Schierhackl übernimmt den MAN TGS von Werner Fröschl
Hier fährt der Vorstand persönlich — Dr. Klaus Schierhackl
MAN TGS HydroDrive beim Zirbentranspot
Niklas Schierhackl genießt das Abenteuer Holztransport sichtlich
Zirbenholz — ein kostbarer Baustoff

Bereits im Jahr 2000 habe ich mir einen Dreiachskipper ausgeborgt um Zirben-Blochholz vom Reschenpass zu holen. Damals wurde der MAN Dreiachskipper mit Deckensteher als Rungen-Provisorium versehen und aus diesem Zirbenholz entstanden Küche und Schlafzimmer.

Die Zirbe hat auf den Körper eine besonders positive Wirkung und wird aus gutem Grund „Königin der Alpen” genannt. Zirbenholz reduziert die Herzfrequenz um 3500 Pulsschläge pro Tag, es stabilisiert den Kreislauf und senkt die Wetterfühligkeit.

Im Frühling 2016 habe ich beschlossen, dass im Haus noch etwas Zirbenholz Platz hätte. Ursprünglich wollte ich sie mit meinem Kubota-Traktor holen, aber nachdem mir mein Sohn Niklas erklärt hat er macht bei diesem Ausflug nicht mit, habe ich mich doch besonnen und für einen LKW entschieden. Kurzzeitig dachte ich auch, ich lasse sie mir vom Radurschltal bei Pfunds in den Wienerwald liefern, aber nach Rücksprache bei einigen befreundeten Transportunternehmern habe ich rasch erkannt, dass kein Interesse besteht, diesen Transport zu übernehmen.

Der größte Hemmschuh war, dass man das Unterland von Tirol nur mit de facto neuwertigen Fahrzeugen befahren kann, anderenfalls scheitert man bei einem der beiden Kontrollplätze Radfeld / Kundl — und das will niemand.

Ein Mietfahrzeug mit Rungen und Kranaufbau konnte ich in Österreich nicht ausfindig machen, so habe ich mich entschlossen, bei Man Rental eine Sattelzugmaschine auszuleihen. Angeboten wurde mir ein HydroDrive mit 480 PS / Euro 6, den erforderlichen Holzsattel habe ich mir von einem Bekannten ausgeborgt.

Die erste Etappe führte von Leopoldsdorf bei Wien nach Hinterglemm, wo meine Frau und Niklas Ihren Osterurlaub verbrachten. Bevor ich losfahren konnte hatte ich eine wirklich umfangreiche Einschulung. Beim Kauf einer ganzen Flotte hätte man mich nicht besser informieren können!

Aufgrund des HydroDrives sitzt man ganz speziell hoch und das Fahrgefühl ist ein wirklich gutes. Die manuelle Schaltung war leichtgängig und überhaupt solo fährt sich die Zugmaschine schöner als ein normaler PKW — nicht nur die Motorleistung spürend.

Nachdem ich erst am späteren Nachmittag weggefahren bin, ist mir überhaupt bei der ersten Etappe der Digitale Tachograph und seine sehr strikte Beschränkung massiv auf die Nerven gegangen, da ich jedenfalls vor Mitternacht das Ziel erreichen wollte.

Die Grenze der Legalität fährt beim LKW laufend mit; sowohl die 60 km/h in der Nacht, als auch die 50 m Abstand zum vorderen Fahrzeug sind nicht das, was leicht fällt einzuhalten.

Die zweite Etappe führte uns von Hinterglemm nach Pfunds am Reschenpass und wieder zurück nach Hinterglemm. Bereits in Saalfelden führte mich das Navi zu einem LKW-Fahrverbot, welches aber erst dort beschildert war, wo man de facto nur mehr sehr schwer wenden kann. Um diese Fälle zu vermeiden sollte jedenfalls ein Navi entwickelt werden, das für Fahrzeuge ab 7,5 t den richtigen Weg zeigt und auch von Seiten der Gebietskörperschaften sollte dort beschildert werden, wo das Wenden oder Geradeausfahren noch möglich ist.

Der Weg an der Steinplatte vorbei durch St. Johann und Wörgl gestaltete sich unkompliziert und auf der gesamten A 12 bis zum Landecker Tunnel gab es keinerlei verkehrliche Behinderung — selbst der Verkehrskontrollplatz war nicht in Betrieb.

Am Ziel angekommen wurden die Zirben auf den Sattelauflieger verladen und es war schön zu sehen, mit welcher Liebe und Professionalität der Kranfahrer den Auflieger belud. Nachdem die Zirbe nicht schwer ist war die Achslast kein Thema, aber sie wurde dennoch so verladen, dass der Auflieger ruhig und angenehm nachläuft.

Jeder Stoß wurde mit zwei Spanngurten gesichert und nach einem Mittagessen auf gutem Tiroler Niveau ging es zurück nach Hinterglemm. Für die Zugmaschine waren die knapp 20 Festmeter Zirbenholz ein wahrer Spaß — bergauf oder bergab war kein Unterschied — der LKW fuhr stets gleich gut und die Zielgeschwindigkeit am Tempomat konnte immer erreicht werden.

Das Tanken in Autobahnnähe gestaltete sich preislich leider unerfreulich, aber der Tank ist groß genug, um sich rechtzeitig zu überlegen, welche Tankmöglichkeit man nutzen möchte.

Die dritte Etappe war die Fahrt von Hinterglemm nach Furth im Triestingtal, bei welcher ich mich für’s Ennstal entschied. Auch diesmal wurde es mit dem DigiTacho wieder knapp, aber das Abladen ging schnell und aufgrund des HydroDrives war selbst das Umdrehen in rutschigem Gelände kein wirkliches Problem, sondern eine interessante Erfahrung.

Noch am selben Tag haben wir den Auflieger zurückgestellt und der schöne LKW kam zurück zu MAN. Beim Aussteigen sagte Niklas: „Papa, es war wie in einem schönen Traum und ich hoffe, ich habe einen derartigen Traum bald wieder”!

Erkenntnisse:

  • Der HydroDrive ist eine gute Lösung, die bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h den Allradantrieb möglich macht.
  • Der Durchschnittsverbrauch von knapp über 30 l pro 100 km ist in Anbetracht der doch vielen Nicht-Autobahnkilometer das Zeugnis eines guten Verbrennungssystems.
  • Das Überholen zwischen 83 und 88 km/h bringt de facto gar nichts und blockiert über Minuten die 2. Fahrspur.
  • Der gesetzliche Sicherheitsabstand gemäß StvO § 4 Abs 3 entspricht leider in keiner Weise dem Gelebten.
  • Das zeitliche Korsett der LKW Fahrer ist ein sehr enges; die weitere Schaffung von Abstellmöglichkeiten, insbesondere auf der Inntalautobahn wäre dringend nötig.
  • Schade, dass ich nicht jedes Jahr Zirben brauche; der Ausflug war wirklich ein Erlebnis!